Infoveranstaltung

Trotz mehr Verkehr - für viele Anwohner wird es durch den Riederwaldtunnel leiser

 

Thema: Straßenverkehr

 

07.06.2017 Pressestelle: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

 

Der Verkehr im Frankfurter Osten wird bis zum Jahr 2030 spürbar zunehmen. „Mit dem Bau des Riederwaldtunnels und dem Lückenschluss zwischen A 66 und A 661 kann das städtische Straßennetz trotzdem signifikant entlastet werden“, sagte Wirtschafts-und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir am Mittwoch bei der Vorstellung der aktualisierten Verkehrsprognose in Frankfurt. „Durch umfassende Lärmschutzmaßnahmen wird es für viele Frankfurter leiser, obwohl insgesamt mehr Fahrzeuge unterwegs sein werden.

 

Grundlage der Verkehrs- und Lärmberechnungen sind aktuelle Bevölkerungsprognosen für die Stadt Frankfurt. Demnach steigt die Zahl der Einwohner bis zum Jahr 2030 auf rund 810.000. „Es lag auf der Hand, dass das nicht ohne Auswirkungen auf den Verkehr bleiben wird. Mehr Einwohner bedeuten auch mehr Verkehr. Daher war es richtig, die Verkehrsprognosen für den Bereich des Riederwaldtunnels neu zu berechnen und die Planung an das real zu erwartende Verkehrsaufkommen anzupassen“, so Al-Wazir. Der Minister hatte Ende 2015 eine Neubewertung des zukünftigen Verkehrsaufkommens angeordnet.

 

Das ausgebaute Netz ist leistungsfähig

Zentral für die verkehrliche Bewertung des Projekts war die Frage, ob der Lückenschluss ausreichend dimensioniert ist, um die steigenden Verkehre aufzunehmen. „Alle verkehrlichen Simulationen von Hessen Mobil zeigen uns: Ja, das ausgebaute Netz ist leistungsfähig“, so der Minister. „Insbesondere droht kein überlastungsbedingter Rückstau in den neuen Riederwaldtunnel. Denn das wäre ein K.O.-Kriterium gewesen.“ Im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr kann es entlang der A 661 und A 66 zu zähfließendem Verkehr kommen. „Das wird sich im Rhein-Main-Gebiet allerdings nie völlig vermeiden lassen“, sagte Al-Wazir. „Mehr noch: Die Verkehrssimulationen haben deutlich gemacht, dass auch ein weiterer Ausbau der A 661 und A 66 den Verkehrsfluss nicht signifikant verbessern kann.“

Insbesondere im Bereich Erlenbruch und auf der Hanauer Landstraße wird der geplante Neubau zu deutlichen Entlastungen führen. Ohne den Tunnel sind für die Straße Am Erlenbruch – eine der staureichsten innerstädtischen Strecken – für das Jahr 2030 weiterhin über 22.000 Fahrzeuge am Tag prognostiziert. Mit Tunnel werden es – selbst beim Eintreten des prognostizierten Verkehrswachstums – etwas über 14.000 Fahrzeuge sein. Auch auf der Hanauer Landstraße kann das Verkehrsaufkommen von gut 52.000 Fahrzeugen (2030 ohne Tunnel) auf gut 39.000 Fahrzeuge (mit Tunnel) gesenkt werden.

 

Weitere wesentliche Ergebnisse der aktualisierten Verkehrsuntersuchung sowie des aktuellen Immissionsschutzkonzeptes: 

 

  • Bei der Inbetriebnahme des Tunnels werden für den Prognosefall 2030 die gesetzlichen Vorgaben für NO2 und Feinstaubbelastung vollständig eingehalten. Das gilt auch / insbesondere für neuralgische bzw. sensible Punkte wie bspw. die Pestalozzischule, das Altenwohnheim Hufelandhaus, die Kita Lauterbachstraße, den Eintracht-Sportplatz sowie auch für Gebäude in Nähe der Tunnelportale, wie Am Erlenbruch 82 und Borsigallee 8.
  • Momentan kommt es punktuell zu Schadstoff-Überschreitungen, die durch die Baumaßnahme steigen könnten. Für die Bauzeit wird daher ein umfassendes Überwachungskonzept entwickelt. Um die Stickstoffdioxidbelastung – insbesondere die Abgasbelastung durch LKW und Baumaschinen – zu minimieren, werden Auflagen im Planfeststellungsverfahren geprüft. Zur Minderung der Feinstaub-Belastung werden Maßnahmen, u.a. künstliche Beregnung, Abdeckung der Ladung und LKW-Waschanlagen, geprüft. Auch hier wird der Planfeststellungsbeschluss je nach Erfordernis verbindliche Vorgaben vorsehen.
  • Aufbauend auf den neuesten Verkehrsuntersuchungen wurde die Gesamtlärmbelastung, also die reale Lärmbelastung untersucht. Dabei wurde beispielsweise berücksichtigt, wenn Häuser zwischen A 661 und A 66 stehen und die Bewohner mit Lärm von beiden Autobahnen belastet werden. Die Lärmbelastung wurde dazu kumuliert und nicht separat betrachtet. Die Spielräume des Bundesimmissionsschutzgesetzes werden maximal ausgenutzt. Unterm Strich wird es mit den geplanten Lärmschutzmaßnahmen für die allermeisten Anwohner – trotz Zunahme des Verkehrs – leiser werden.
  • Entlang der A 661 und der A 66 wird ein umfassendes Lärmschutzkonzept umgesetzt. Dadurch kann die Zahl der so genannten Schutzfälle (nach Ausbau) von 1.212 (ohne Lärmschutz) um 915 Schutzfälle auf 297 (mit Lärmschutz) reduziert werden. Damit wird endlich auch der Lärmschutz für die Bewohner in Bornheim westlich der A 661 umgesetzt. Zum Einsatz kommen neben lärmminderndem Asphalt auch Lärmschutzwände und Wälle.
  • Während des Baus wird mit mobilen 2 bis maximal 10 Meter hohen Lärmschutzwänden gearbeitet, die mit der Baustelle mitwandern. Auch die Belastungen in Folge der temporären Verlegung der U-Bahn werden mit mobilen Schallschutzwänden minimiert. Besonderes Augenmerk wird auf die Belange der anliegenden Schulen und Kindergärten gelegt.

 

Neben einem Lärmschutzkonzept für den Endzustand, wird somit auch ein umfassendes Immissionsschutzkonzept für den Bauzeitraum erstellt. Hessen Mobil hat ein Konzept in dieser Form und in diesem Umfang bislang noch an keinem anderen Großprojekt angewandt.

Al-Wazir: „Natürlich werden die Bauarbeiten auch zu Belastungen für die Bewohner links und rechts der Baustelle führen. Nach Inbetriebnahme des Riederwaldtunnels wird sich die Situation vor Ort aber merklich verbessern.“ Der Minister warb für Verständnis, dass sich auch die Parksituation während der Bauzeit verändern werde.„Wenn Hessen Mobil die Straße aufreißt, fallen an dieser Stelle natürlich auch Parkplätze weg. Allerdings: Es werden ausreichend Ausweichparkplätze im Bereich der Baustelle zur Verfügung gestellt.“ 

Auch mit Blick auf den Schulweg insbesondere zur Pestalozzi-Schule sei ein gutes und alltagstaugliches Wegekonzept von Hessen Mobil entworfen worden. „Die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler kann mit den vorgegebenen Schulwegen gewährleistet werden. Aber natürlich gilt auch an diesem Punkt: Wer bessere Vorschläge hat, soll sie uns gerne vorstellen.“

 

Hintergrund Riederwaldtunnel

Der Riederwaldtunnel schließt die Lücke zwischen der nach Osten führenden A 66 und der A 661. Die Maßnahme wird die Bewohner in den Stadtteilen Bornheim und Riederwald spürbar von Verkehrslärm entlasten. Das Projekt zieht sich seit mittlerweile 37 Jahren. Die Linienführung wurde sogar bereits im Jahr 1979 festgelegt. Seitdem gab es zahlreiche Planänderungen.

 

Hintergrund: Verkehrsprognosen

Die Planfeststellung aus dem Jahr 2007 beruhte auf der Verkehrsprognose aus 2004 mit Prognosehorizont 2015; sie ging von einem Bevölkerungsanstieg in der Stadt Frankfurt auf rund 710.000 Personen aus. Danach wurde stets von einem Bevölkerungsrückgang ausgegangen. Dies wurde in der Verkehrsprognose aus 2013 mit Prognosehorizont 2025 bestätigt („nur noch“ rund 650.000 Einwohner in Frankfurt). Nachdem klar wurde, dass die Stadt Frankfurt nicht schrumpft, sondern wächst, wurde im September 2015 eine neue Verkehrsprognose mit Prognosehorizont 2030 beauftragt. Dieser Prognose lag eine Bevölkerung von rund 739.000 zugrunde (Quelle: Hessen Agentur März 2015). Zwischenzeitlich zeichnete sich ein weiterer enormer Bevölkerungsanstieg ab, weshalb die Hessen Agentur ihre Zahlen im Mai 2016 auf rund 807.000 Einwohner in Frankfurt nach oben korrigiert hat.

 

Hintergrund: Die nächsten Schritte

Hessen Mobil beabsichtigt, das Planänderungsverfahren „Tunnel“ Ende 2017 einzuleiten. Das Anhörungsverfahren mit Auslegung, Durchführung des Erörterungstermins sowie dem Erlass des Planänderungsbeschlusses sollen bis 2019 erfolgen. Im Anschluss erfolgen Ausführungsplanung und ein EU-weites Vergabeverfahren. Mit dem Bau des Tunnels könnte, wenn keine Klageverfahren anhängig sind, frühestens Ende 2019 / Anfang 2020 begonnen werden. Die Bauzeit beträgt sieben Jahre.

 

-> Die Präsentationen zu den Bürgerinformationsveranstaltungen vom 07. und 08.06.2017 können Sie im Pdf-Format im rechten Bereich dieser Seite herunterladen.

 

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